IHK: das sind drei Buchstaben, die viele schon mal gehört haben, aber vielleicht nicht so genau wissen was sie bedeuten. IHK steht für das Netzwerk der Industrie- und Handelskammern, die in den einzelnen Regionen Deutschlands verteilt sind. Die IHK bietet zum einen berufliche Weiterbildungen an und führt zum anderen auch die Abschlussprüfung im Rahmen einer Ausbildungen durch. Wir waren neugierig und wollten genaueres über dieses Thema erfahren. Unsere Fragen haben direkt der IHK Rhein-Neckar gestellt.

Frage 1: Was sind die Aufgaben der IHK?

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar vertritt die Interessen von über 70.000 Mitgliedsunternehmen. Mitglieder sind alle Unternehmen des IHK-Bezirks aus den Branchen Industrie, Handel und Dienstleistung. Als öffentlich-rechtliche Körperschaft treten wir ein für „IHK statt Staat“ und übernehmen hier u. a. im Bereich Ausbildung die hoheitliche Aufgabe, Prüfungen durchzuführen.

Frage Nr. 2: Wie unterstützt die IHK die Schüler bei der Berufswahl und in der Ausbildung?

Schüler haben die Möglichkeit sich mithilfe des IHK-Berufsorientierungstests über ihre Stärken und Interessen bewusst zu werden. Gleichzeitig finden Schüler und Schülerinnen zahlreiche Ausbildungsangebote auf unserer IHK-Lehrstellenbörse. Mit unserem „Tag der Berufsorientierung“ bringen wir die Vielseitigkeit der Ausbildungsberufe in die Schulen. Mit unseren Modulen „Berufe Aktiv“ und „Ausbildungsbotschafter“ können die Schüler direkt Kontakte zu Ausbildern, Auszubildenden und Personalverantwortlichen knüpfen. Sie erhalten dabei einen kleinen Einblick in die berufliche Praxis und lernen unterschiedliche Branchen kennen. Zusätzlich unterstützen wir mithilfe unseres Matching-Teams Schulabgänger sowie Studienabbrecher bei der Vermittlung in ein Ausbildungsverhältnis.

Frage Nr. 3: Welche Branchen bieten hier in der Region die meisten Ausbildungsplätze an?

Die meisten Ausbildungsplätze in der Region werden im gewerblich-technischen Bereich angeboten. Hierzu zählen besonders Berufe im Bereich Metall und Elektronik.

Frage 4: Woran erkenn ich einen guten Arbeitgeber:

Ein Unternehmen ist für die Berufsausbildung geeignet, wenn

  • der Betrieb über alle Einrichtungen und Abläufe verfügt, die für die Berufsausbildung benötigt werden. Geeignet ausgestattete Büroräume bzw. Werkstätten sowie übliche soziale Einrichtungen müssen vorhanden sein.
  • Art und Umfang der Produktion, des Sortiments und der Dienstleistungen sowie die Produktions- beziehungsweise Arbeitsverfahren gewährleisten, dass die Kenntnisse und Fertigkeiten entsprechend der Ausbildungsordnung vermittelt werden können.
  • Ein Unternehmen, in dem die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten nicht in vollem Umfang vermittelt werden können, kann dennoch geeignet sein. Fehlende Inhalte können in diesem Fall durch Kooperationen, überbetriebliche Ausbildung oder einen Ausbildungsverbund ergänzt werden.
  • die Zahl der Fachkräfte in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Auszubildenden steht.

Frage Nr. 5: Welche schulischen Ausbildungen gibt es? Was ist der Unterschied zur betrieblichen Ausbildung? Werden die Prüfungen dort ebenfalls von der IHK geprüft?

Schulische Ausbildungen sind im Gesundheits- und Sozialwesen (bspw. Physiotherapie oder Logopädie) aber auch im technischen Bereich (bspw. Biologisch-technische Assistenz) verbreitet. Die Abschlussprüfungen sind staatlich anerkannt und werden in vollzeitschulischer Form, also nicht von einem Ausbildungsbetrieb durchgeführt. Der Lernmittelpunkt einer schulischen Ausbildung besteht im Unterricht an einer Berufsfachschule, in der Regel ergänzt durch Praktika. Im dualen Ausbildungssystem werden die Fertigkeiten und Kenntnisse hingegen an zwei Lernorten vermittelt: in der Berufsschule sowie im Ausbildungsbetrieb. Anders als bei der schulischen Ausbildung liegt hier der Schwerpunkt aber in der betrieblichen Praxis, die Vermittlung der erforderlichen Theorie wird in der Regel von der Schule übernommen.

Frage Nr. 6: An wen kann ich mich wenden, wenn ich ein Probleme haben?

Läuft die Ausbildung nicht reibungslos, so können sich die Auszubildenden an unsere IHK-Ausbildungsberater wenden, welche sich dem jeweiligen Anliegen annehmen und weitere  Schritte besprechen bzw. einleiten.

Frage Nr. 7: Kann ich während der Ausbildung gekündigt werden?

Innerhalb der dualen Ausbildung kann ein Azubi ordentlich und nur aus einem sogenannten „wichtigen Grund“  nach § 22 des Berufsbildungsgesetzes gekündigt werden. Dazu muss dem Ausbildungsbetrieb die Fortsetzung der Berufsausbildung unzumutbar geworden sein. Eine Auflösung des Ausbildungsverhältnisses im gegenseitigen Einverständnis ist ebenfalls möglich.

Frage Nr. 8: Kann ich die Ausbildungsstelle wechseln, wenn ich merke, dass sie nicht zu mir passt?

Liegt ein Kündigungsgrund vor, so hat der Azubi die Möglichkeit, die Ausbildungsstelle zu wechseln. Um einen passenden Ausbildungsberuf zu finden, kann der  IHK-Berufsorientierungstest hilfreich sein. Ausbildungsplatzsuchende haben die Möglichkeit,  Ausbildungsberufe entsprechend ihrer persönlichen Stärken, Fähigkeiten und Neigungen zu finden und so Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.

Frage Nr. 9: Welche finanzielle Unterstützung gibt es noch, wenn der Lohn nicht ausreicht?

Auszubildende erhalten innerhalb des dualen Ausbildungssystems eine angemessene Ausbildungsvergütung durch den Ausbildungsbetrieb. Ob eine zusätzliche finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand geleistet wird hängt von den individuellen Voraussetzungen sowie den privaten Lebensumständen des Auszubildenden ab. Nähere Informationen erhalten Auszubildende bei den jeweils zuständigen Stellen (Agentur für Arbeit oder Sozialamt).

Frage Nr. 10: Wie sieht die Abschlussprüfung aus? In welche Teile ist sie unterteilt?

Die Abschlussprüfungen in der dualen Ausbildung gliedern sich je nach Beruf in schriftliche, praktische sowie mündliche Prüfungen.

Frage Nr. 11: Arbeitet die IHK Rhein-Neckar mit der Stiftung Berufliche Bildung (SBB) zusammen? Wie erfolgt die Bewerbung bei der Stiftung? Was sind die Auswahlkriterien?

Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung gGmbH (SBB) arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Für die dualen Ausbildungsberufe koordiniert die SBB die einheitliche Umsetzung des Weiterbildungsstipendiums durch die zuständigen Stellen. Das Förderprogramm unterstützt Berufseinsteiger bei anspruchsvollen Weiterbildungen oder bei einem berufsbegleitenden Studium. Stipendiaten können innerhalb von drei Jahren Zuschüsse von max. 8.100 EUR für beliebig viele Weiterbildungen beantragen – bei einem Eigenanteil von 10 Prozent.

Erste Voraussetzung für eine Bewerbung ist eine Ausbildung in einem anerkannten dualen Ausbildungsberuf auf der Grundlage des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), der Handwerksordnung (HwO) oder in einem bundesgesetzlich geregelten Fachberuf im Gesundheitswesen. Bewerben kann man sich nur bei der Stelle, bei der das Berufsausbildungsverhältnis eingetragen war. Bei der Aufnahme in das Programm dürfen Bewerber noch keine 25 Jahre alt sein. Sie haben drei Möglichkeiten, ihre Qualifizierung für das Weiterbildungsstipendium nachzuweisen:

1.       Sie haben ihre Berufsabschlussprüfung mit mindestens 87 Punkten (besser als „gut“) bestanden oder

2.       Sie sind bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb unter die ersten Drei gekommen oder

3.   Sie weisen ihre besondere Qualifikation durch einen begründeten Vorschlag des Arbeitgebers oder der Berufsschule nach.

Seit dem Start des Förderprogramms 1991 wurden bundesweit mehr als 145.000 Stipendiaten mit über 500 Mio. EUR gefördert.

Frage Nr. 12 Welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es? Studieren ohne Abitur, Techniker, Teilzeitstudium

Berufliche Weiterbildung – Fachwirte, Meister, Betriebswirte:

Die Zulassung zu den Weiterbildungsprüfungen erfordert eine abgeschlossene Berufsausbildung und einige Jahre Berufserfahrung, dies wird jeweils über die Verordnungen beschrieben. Seit dem 1. Januar 2020 gibt es die Abschlussbezeichnungen „Bachelor Professional in …“ und „Master Professional in …“, das bedeutet jedoch nicht, dass die Absolventen einen akademischen Abschluss haben, sondern drückt die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Ausbildung aus.

Die Fachkräfte, die eine berufliche Weiterbildung nachweisen können, sind bei Unternehmen gesucht, da sie die betriebliche Praxis mit theoretischen Inhalten verbinden und zum Teil über die Weiterbildungsinhalte bereits auf Führungspositionen vorbereitet werden.

 Techniker:

Beim Techniker handelt es sich um eine staatlich geprüfte Weiterbildung, die nicht von der IHK geprüft wird. Die Weiterbildung findet an Schulen statt, die Prüfung wird dort abgenommen.

 Studium ohne Abitur:

Beim Studium ohne Abitur sind die Regelungen abhängig von den jeweiligen Bundesländern und den jeweiligen Hochschulen und Universitäten, insofern ist eine allgemeingültige Aussage hierzu schwierig, dennoch kann ein Studium auch ohne Abitur, aber mit einer Berufsausbildung bzw. einem Weiterbildungsabschluss aufgenommen werden.

 Unbeschränkter Hochschulzugang:

Studienbewerber*innen mit einer bestandenen Meisterprüfung oder einem vergleichbaren Abschluss einer Aufstiegsfortbildung, die zusätzlich zur Berufsausbildung absolviert worden ist, können ohne besondere Prüfungen oder Zulassungsverfahren ein Hochschulstudium beginnen.

 Hochschulzugang über eine Zulassungsprüfung:

Hochschulen unterziehen Personen einer Eignungsprüfung, in welcher deren Studierfähigkeit getestet wird. Dieses Verfahren gilt für Bewerber(innen), die zusätzlich zu ihrer Berufsausbildung keine weiterführende Aufstiegsfortbildung abgeschlossen haben. Hochschulen und Universitäten regeln ihre Studiengänge und -zugänge, auch Teilzeitstudiengänge sind möglich.

Zusätzliche Information:

Die Weiterbildung kann über verschiedene Wege finanziert und gefördert werden, z.B. durch das Aufstiegs-BAföG, das von vielen Teilnehmern zur Finanzierung genutzt wird. Darüber hinaus gibt es auch die Begabtenförderung, wenn die Berufsausbildung sehr gut abgeschlossen wurde.

Wir bedanken uns herzlich für das Interview mit der IHK Rhein-Neckar. Weitere Informationen findet Ihr auch auf deren Website unter:

https://www.rhein-neckar.ihk24.de/